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Das Regionaltreffen der Regionalgruppen Mitte und West (NRW) fand am 4.11.2016 in Kassel, im Archiv der deutschen Frauenbewegung statt. Das Treffen stand unter dem Titel: „Zwischen Grenzziehung und Kooperation: Geschlechterhistorische Diskurse in der Praxis außeruniversitärer Vermittlungs- und Forschungseinrichtungen“ und beschäftigte sich mit außeruniversitärer Geschlechterforschung.

Jutta Schwarzkopf hat nach dem Studium in Göttingen, Lancaster/GB und Bremen 1978 ihr erstes, und 1980 ihr zweites Staatsexamen für das Lehramt an öffentlichen Schulen abgelegt. Danach nahm sie ein Graduiertenstudium im Fach Geschichte an der Universität Sussex/GB auf, das sie von 1985 bis 1987 im Doktorandenstudium im Bereich „Neuere Sozialgeschichte im internationalen Vergleich“ an der Universität Bremen fortführte. Noch bevor sie dort 1988 mit „summa cum laude“ ihre Dissertation abschloss, bekam sie 1987 eine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technik und Bildung in Bremen angeboten. Danach folgten Aufenthalte als Research Fellow bei der Einheit Forecasting and Assessment of Science and Technology der Generaldirektion XII der Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel (1989-1990), Lehraufträge an der Universität Bremen (1990-1993) und eine Hochschulassistentur am Historischen Seminar der Universität Hannover (1992-1997). Noch vor ihrer Habilitation erhielt sie eine Gastdozentur (1996) und eine Vertretungsdozentur (1998) am Department of Historical Studies an der University of Bristol/GB. Danach lehrte sie an den Universitäten Kassel, Oldenburg, Hannover, Hamburg, Paris VIII, Bremen, Magdeburg und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre berufliche Vita war geprägt durch Interdisziplinarität und den Einsatz für die Frauen- und Geschlechtergeschichte, für die sie sich an ihren jeweiligen Arbeitsorten und im Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung engagierte. 2006 wurde sie aufgrund ihrer Verdienste in Lehre und Forschung an der Universität in Hannover zur außerplanmäßigen Professorin ernannt. Seit 2010 arbeitete sie an der Universität in Bielefeld.

Seit ihrer 1988 in Bremen vorgelegten Dissertation (Women in the Chartist Movement, London 1991) beschäftigte sich Jutta Schwarzkopf in ihren Forschungen mit der britischen Geschichte unter sozial- und geschlechtergeschichtlicher Perspektive. In ihrer 1999 an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften in Hannover vorgelegten Habilitationsschrift vertiefte sie diesen innovativen Forschungsansatz und erweiterte ihn um die wirtschaftsgeschichtliche Perspektive (Unpicking Gender: Gender in the Lancashire Cotton Weaving Industry, 1880-1914, Aldershot 2004). Welch breites Spektrum Jutta Schwarzkopf in der Lehre im Bereich des Grund- und Hauptstudiums abdeckte, erweist ihr Einsatz in verschiedenen Studiengängen, in denen sie Lehrveranstaltungen anbot. Sie war sowohl im Studiengang British Studies wie im Bereich der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und der Deutschen und Europäischen Zeitgeschichte eine geschätzte Dozentin. In ihren Lehrveranstaltungen beschäftigte sie sich mit deutschen, britischen und amerikanischen Themen in sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher und geschlechtergeschichtlicher Sicht von der frühen Neuzeit (The World Turned Upside Down: England in the Mid-17th Century) bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts (Coal is Our Life – The British Miners‘ Strike 1984/5).

Nach ihrer Habilitation vertiefte und erweiterte Jutta Schwarzkopf ihr Forschungsprofil. So analysierte sie etwa in einem Aufsatz, wie Elisabeth I. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den zeitgenössischen Widerspruch zwischen weiblicher Geschlechtszugehörigkeit und Herrschaftsanspruch durch ihre umfassende Bildung und rhetorische Geschicklichkeit in verschiedenen performativen Akten überspielte (Die weise Herrscherin. Gelehrsamkeit als Legitimation weiblicher Herrschaft am Beispiel Elisabeths I. von England (1558-1603), beschäftigte sich mit der Armut im 19. Jahrhundert (Die Wahrnehmung städtischer Armut. London im 19. Jahrhundert), beteiligte sich als Mitautorin an einem programmatischen Abriss zur Genderforschung (Geschlechtergeschichte. Von der Nische in den Mainstream) und publizierte Lexikonartikel zu „Gender“ und „European Women“ in der Encyclopedia of Historians and Historical Writing. Ihren großen Traum, eine Monographie über Elisabeth I. von England zu schreiben, konnte sie nicht mehr verwirklichen.

Unser AKHFG-Mitglied Jutta Schwarzkopf bleibt uns in Erinnerung als liebe Gesprächspartnerin und Mitstreiterin, als Powerfrau, die, wenn sie nicht gerade eine ihrer geliebten England-Reisen plante, mit dem Fahrrad und einem Stapel Büchern auf dem Gepäckträger zwischen den Universitätsgebäuden zu ihren Lehrveranstaltungen radelte, aber doch immer noch ein paar Minuten für ein Gespräch hatte, als eine unter den Studierenden außerordentlich beliebte Dozentin und eine von uns hochgeschätzte Kollegin und Freundin. Über unsere Gespräche und Begegnungen mit ihr werden wir sie erinnern.

AKHFG e. V. 
November 2016

Prof. Dr. Sylvia Paletschek
Platz der Universität – KG IV
Albert-Ludwigs-Universität

79085 Freiburg im Breisgau

Neu erschienen und ein passendes Geschenk für alle, die mehr über die Geschichte des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung wissen wollen! Der Erlös aus dem Verkauf dient dazu, die Aktivitäten des AKHFG e.V. zu unterstützen.

1990 wurde der Arbeitskreis Historische Frauenforschung als deutsches Komitee der International Federation for Research in Women’s History gegründet. Seine Initiatorinnen schufen damit die Basis für ein Netzwerk, das bis heute den wissenschaftlichen Austausch zwischen allen an der historischen Frauen- und Geschlechterforschung Interessierten fördert. 1999 in Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung umbenannt und 2007 in die Vereinsform überführt, trug der Arbeitskreis entscheidend zur Entwicklung dieses innovativen Feldes der Geschichtswissenschaft bei. 2015 erhielt er für seine Aktivitäten den Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universität Berlin.

Geschrieben hat das Buch Angelika Schaser, Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Hamburg. Zu beziehen ist das Buch über das Archiv der deutschen Frauenbewegung. Wenn Sie das Buch bestellen möchten, schreiben Sie bitte eine Mail an das Archiv info@addf-kassel.de und vergessen Sie nicht anzugeben, wie viele Bücher Sie haben möchten und geben Sie Ihre Postadresse an!

Das Buch kostet im Inland 12,50 Euro plus 1,50 Euro Versand; bei Versendungen ins Ausland beträgt das Porto 3,50 Euro.